Unheimliche Erinnerung: Gedenkstätte Marienborn

Einstiges Nadelöhr zwischen Ost und West ist heute ein Museum

02.10.2008 Wilhelm Ruprecht Frieling

An der Autobahn Hannover - Berlin wurden bis zum Jahre 1990 Autofahrer an der ehemaligen Staatsgrenze zur DDR in Marienborn zum Vorzeigen ihrer Ausweispapiere angehalten.

Wer die A2 von und nach Berlin in Marienborn verlässt, gelangt auf das Gelände der ehemaligen DDR-Grenzabfertigungsanlage Marienborn. Diese ist als »Gedenkstätte Deutsche Teilung« von Dienstag bis Sonntag jeweils von 10 bis 17 Uhr kostenlos zugänglich. Seit 1996 ist das einstige Bollwerk des DDR-Grenzregimes ein Ort der Begegnung, des Gedenkens, der Forschung und der historisch-politischen Bildung.

Gelände kann selbständig besichtigt werden

Heute hilft ein Besucherleitsystem beim Erkunden der Gedenkstätte. Faltblätter geben einen Überblick über das Gelände sowie Kurzinformationen zu den Funktionseinheiten. Auf dem Gelände befinden sich Multimediastationen an fünf Punkten sowie eine Dauerausstellung im Besucherzentrum.

Die Besucher können sich das Gelände selbständig erschließen sowie ehemalige Funktionseinheiten im Rahmen einer Führung besichtigen. Im Dokumentationszentrum informieren ein Videofilm und eine Ausstellung über die Geschichte der Grenzübergangsstelle Marienborn und deren historischen Zusammenhänge.

Dauerausstellung über die deutsche Einheit

Eine Dauerausstellung informiert über die Entwicklung der Grenzübergangsstelle. Im Wechsel werden die Filme »Die Grenzübergangsstelle Helmstedt-Marienborn. Nadelöhr zwischen den Welten« sowie »Auf der Wacht für die DDR« gezeigt.

Eine besondere Einrichtung, die vielen Reisenden in unangenehmer Erinnerung geblieben ist, war der DDR-Zoll. In den denkmalgerecht sanierten Originalräumen, in denen sich seit 1974 das Grenzzollamt Marienborn/Autobahn befand, informiert eine Ausstellung über den Kontrollablauf.

Geschichte des Kontrollpunkts

Der Grenzkontrollpunkt Marienborn-Helmstedt wurde am 1. Juli 1945 von den alliierten Siegermächten an Reichsautobahn und Eisenbahnlinie Berlin-Hannover eingerichtet. Im Jahre 1950 übernahm die DDR das Kommando auf der Grenzübergangsstelle Marienborn.

Die 1972 - 1974 für 70 Millionen Mark der DDR auf einer Gesamtfläche von 35 Hektar errichtete neue Grenzübergangsstelle Marienborn war mit über 1000 Bediensteten die bedeutendste Grenzübergangsstelle an der innerdeutschen Grenze. Hier wurden die Reisenden, ihre Fahrzeuge und die transportierten Güter fast lückenlos abgefertigt. Allein zwischen 1985 und 1989 fertigte die DDR hier rund 35 Millionen Reisende ab.

Am 30.06.1990, um 24.00 Uhr, wurden die Kontrollen auf der GÜSt Marienborn eingestellt. Im Oktober 1990 wurde die GÜSt unter Denkmalschutz gestellt. 1992 beschloss das Land Sachsen-Anhalt den Aufbau der Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn, die am 13. August 1996 eröffnet wurde.

Erlebte Teilung

Weil nirgendwo in Deutschland die Grenzgeschichte authentisch erlebbar ist, will die Region Helmstedt/Marienborn die Erinnerung an die Teilung Deutschlands wach halten. An einem Projekt mit dem Namen »Grenzenlos - Wege zum Nachbarn« beteiligen sich auf niedersächsischer Seite das Zonengrenz-Museum Helmstedt und die alljährlich zum Tag der Deutschen Einheit stattfindenden »Helmstedter Universitätstage« sowie auf sachsen-anhaltinischem Gebiet das Grenzdenkmal in Hötensleben und die »Gedenkstätte Deutsche Teilung« Marienborn.

Ziel des Projektes ist es, die Erinnerung an überwundene Grenzen aufrecht zu erhalten. Denn das, was Grenzen anrichten können, wenn sie Ausdruck von Hass, Abschottung und kaltem Krieg sind, bleibt auch künftig für die Menschheit ein belastendes Phänomen.

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